Wirtschaft und Gesellschaft im Zentrum der Aufmerksamkeit
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Kreise ersetzen zunehmend die Regierungen als bisherige Hauptakteure, wenn es um Nachhaltigkeit geht. So hat beispielsweise das niederländische Energieunternehmen Eneco dazu aufgerufen, grundsätzlich alle Arten der Energieerzeugung nicht mehr zu subventionieren – egal ob es sich um erneuerbare Energien, Atomenergie, Kohle oder andere konventionelle Quellen handelt. Dieser Ansatz könnte, sofern er konsequent umgesetzt würde, tatsächlich gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, was sehr zum Vorteil der erneuerbaren Energien wäre.
Auch andere Akteure – Einzelpersonen und Unternehmen – zeigen mehr Verantwortung; europaweit nimmt die Zahl politischer Aktionen zu, als Beispiel seien die großangelegten Proteste in Deutschland genannt. Gelänge es, diese Unzufriedenheit in positive, unternehmerische Initiativen umzulenken, entstünde ein riesiges Potenzial zur Umsetzung wertvoller Ideen in rentable Geschäfte, die in der Lage sind, aufnahmebereite Märkte zu bedienen – und dies nicht nur im Bereich der erneuerbaren Energien, sondern auch in der ökologischen Landwirtschaft und anderen Nachhaltigkeitsbranchen.
International neue Ansätze
In Europa befassen sich Wirtschaft und Gesellschaft immer intensiver mit den Fragen der Nachhaltigkeit. Diese Entwicklung fußt auf der europäischen Grundidee der sozialen Marktwirtschaft, die privates Unternehmertum, das sich der Macht der Verbraucher bedient, mit staatlichen Regulierungen kombiniert, um bestmögliche Resultate zu erzielen. In anderen Teilen der Welt werden weitere, für die Wirtschaft ebenso wichtige Herangehensweisen neu entwickelt. Hierzu gehört der nachhaltige Kapitalismus in den USA, der die Vorteile des Kapitalismus unter dem Blickwinkel der Zukunftsträchtigkeit nutzen will, ebenso wie Chinas langfristige Strategie zur Energieerzeugung, in deren Rahmen die Regierung die entscheidende Rolle bei einem umfassenden Wandel spielen soll.
Ein nachhaltiger Kapitalismus ist nicht nur interessant, weil er davon ausgeht, dass die Ressourcen im Kapitalismus nur dann effizient bereitgestellt werden, wenn man den Blick auf das Ganze berücksichtigt, also auch auf das Wohl und die Würde des Menschen sowie die Belastbarkeit unseres Planeten. Dieser Ansatz hat zudem ganz reale, praktische Auswirkungen. Aus Sicht der Triodos Bank und vieler anderer bedeutet er, dass beispielsweise eine Art Preisschild oder eine Steuer auf CO2-Ausstoß eingeführt werden sollte. Nachhaltiger Kapitalismus birgt ein großes Potenzial in sich, er sollte aber nicht – wie seinerzeit der Kommunismus – zu einer Ideologie gemacht werden, da Wandel nicht dadurch entsteht, indem man sich an Ideologien klammert.


