Die oben genannten Vorstellungen werfen die Frage auf, als welche Art Bank sich die Triodos Bank positionieren will. Sollen wir Unternehmen unterstützen, die erst nachhaltiger werden wollen? Oder begünstigen wir nur jene, die es bereits sind? Die US-amerikanische New Resource Bank, zu deren wichtigsten Investoren die Triodos Bank gehört, unterstützt zum Beispiel Unternehmen, die nachhaltiger werden wollen, aber noch nicht wissen wie. Hierfür hat sie einen äußerst praktischen „Nachhaltigkeitsbausatz“ entwickelt, mit dem sie konventionelle Unternehmen in eine nachhaltigere Zukunft begleiten kann.

All unsere Anstrengungen zielen darauf ab, unser Leitbild – die Verbesserung der Lebensqualität – auch Wirklichkeit werden zu lassen. Das bedeutet, dass wir unseren Einfluss kontinuierlich steigern müssen. Somit haben wir uns 2010 in allen Niederlassungen erfolgreich auf die verstärkte Vergabe von Krediten aus Einlagen und Kapitalanlagen konzentriert, die der Bank derzeit in immer größerem Maße zufließen. Dies hat 2010 zu einer deutlichen Steigerung unserer Wirksamkeit geführt. Es muss unser Ziel sein, das richtige Verhältnis zwischen Einlagen und Kreditvergabe sicherzustellen. Glücklicherweise sind wir in der vorteilhaften Lage, von einem europäischen Niederlassungsnetzwerk zu profitieren, das uns erlaubt, Überschüsse an Einlagen, die wir in einem Land erzielen, auch bei Bedarf produktiv in einem anderen Land zur Kreditvergabe einsetzen zu können. Außerdem wollen wir in Zukunft insgesamt mehr Unternehmen und Projekte als bisher finanzieren und insbesondere in Unternehmen investieren, die mit Innovationen für eine nachhaltige Zukunft überzeugen. Diesen Prozess steuern wir äußerst bewusst, um auch weiterhin ein ausgewogenes Wachstum der Triodos Bank zu gewährleisten.
Unsere Wirkung

Wir sind uns dessen bewusst, dass der Einfluss, den wir ausüben, das ausschlaggebende Kriterium für sämtliche Interessengruppen der Triodos Bank ist – von den Kunden über die Inhaber aktienähnlicher Rechte bis hin zu unseren Mitarbeitern. Deshalb konzentrieren wir uns in dem Jahresbericht 2010 noch stärker auf jene Kernthemen, die sich wie ein roter Faden durch unsere weltweiten Bemühungen ziehen. Auch wenn die Gründe, die uns motivieren, und die Methoden, mit denen wir arbeiten, selbstverständlich wichtige Aspekte unseres Handelns sein mögen, ist es uns vor allem wichtig, WAS wir tun. Und dies wollen wir noch klarer herausstellen.
Dank unseres Engagements in den Bereichen Energie und Klima sind wir beispielsweise in der Lage, bei den Themen Klimawandel, Energiesicherheit oder Zugang zu Energie speziell in Entwicklungsländern aktiv bei Lösungsansätzen mitzuwirken. Analysiert man vorhandene und neu entstehende Technologien sowie die Verfügbarkeit von Kapital, so ist trotz Finanzkrise der Übergang zu einer Wirtschaft mit einem geringeren CO2-Ausstoß durchaus möglich. Dazu sind gemeinsame Anstrengungen vieler Organisationen, Unternehmen, Hersteller und Verbraucher notwendig. Der Finanzsektor ist ein Teil davon und muss hier eine zentrale Rolle spielen. Daher dürfen Investitionsentscheidungen nicht mehr von kurzfristigen finanziellen Interessen geleitet sein, sie müssen vorausschauend sowohl unter finanziellen Aspekten als auch unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Gesichtspunkte entstehen. Für uns ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass wir mit unseren nachhaltigen Fonds im Bereich Energie und Klima Projekte finanzieren und sie zudem durch Kreditvergaben in allen europäischen Niederlassungen unterstützen.
Für 2010 hieß das konkret, dass wir dank unserer Kombination aus Fondsmanagement und Kreditvergabe für Projekte im Bereich der Erzeugung erneuerbarer Energien insgesamt 4.136.000 MWh saubere grüne Energie ermöglicht haben. Das entspricht umgerechnet der Energieversorgung von 1.181.600 europäischen Haushalten und eine Vermeidung des Ausstoßes von 1.624.373 t CO2.
Darüber hinaus engagierten wir uns im Bereich Kunst und Kultur, weil wir der Auffassung sind, dass Kreativsein ein menschliches Grundbedürfnis ist, das dazu beiträgt, die Würde des Menschen zu schaffen und zu bewahren. Kunst vermag oft Dinge auszudrücken, die sich nicht allein in Worte fassen lassen. So gibt es beeindruckende Beispiele, die davon zeugen, dass Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben und möglicherweise in ihrer Freiheit eingeschränkt sind, zu ganz eigenständigen Formen der Selbstdarstellung finden. Während die Kunst den Einzelnen zu Veränderungen inspirieren und ermutigen kann, ist sie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sogar in der Lage, Trennendes zu überbrücken und Verbindungen zwischen einzelnen Menschen und Gruppen zu schaffen. Eine lebendige Kultur darf jedoch nicht allein von staatlichen Zuwendungen abhängen, sie sollte durch unterschiedliche Formen der Finanzierung gefördert werden. Die Triodos Bank will daher Katalysator für das Entstehen künstlerischer Projekte sein. Wir investieren in Künstler, Institutionen und kulturelle Unternehmen, die in einer Gesellschaft Brücken bauen und von sozialer Relevanz sind. Damit wollen wir die Menschen auf eine ganz besondere Weise erreichen und ihre Lebensqualität verbessern. Natürlich ist die Zahl der Menschen, die Kunst und Kultur erleben, nicht der einzige Maßstab zur Bemessung ihres Stellenwerts, aber dennoch illustriert sie ihre Wirkung. 2010 haben 3,3 Mio. Menschen an kulturellen Veranstaltungen teilgenommen, die von der Triodos Bank finanziert wurden, bzw. die an Veranstaltungsorten stattfanden, die von der Triodos Bank finanziert wurden.
Darüber hinaus sind wir natürlich auf der Weltbühne der Finanzen umfangreich tätig – seit 1994 vornehmlich im Bereich Mikrofinanzierung. Die Vergabe von Kleinstkrediten ist ein spezieller Service für Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie für kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungsländern. Der Zugang zu dieser Dienstleistung wirkt sich grundlegend auf das Leben von Millionen Menschen aus. Denn die Kredite ermöglichen ihnen, allmählich ein Vermögen aufzubauen, kleine Unternehmen zu gründen, ihre Verdienstmöglichkeiten zu verbessern und ein Polster für unvorhersehbare Umstände in der Zukunft zu schaffen. Doch in einigen Ländern haben ein aggressives Wachstum und die steigende Konkurrenz zwischen Mikrokreditgebern mittlerweile zu einer Überhitzung und Überschuldung von Kreditnehmern geführt. In einigen Teilen der Mikrofinanzbranche steht der Dienst am Kunden nicht mehr im Mittelpunkt.
Wir haben uns seinerzeit entschieden, in Entwicklungsländer zu investieren, weil wir erkannt hatten, dass beides – eine nachhaltige Entwicklung wie auch die Bekämpfung von Armut – globale, mit einander verbundene Angelegenheiten sind. Wir meinen, der Schlüssel zu einer erfolgreichen nachhaltigen Entwicklung der Entwicklungsländer liegt in einem integrativen Finanzsektor, der das dortige Leben dadurch verbessern hilft, indem er auf verantwortliche Weise transparente Finanzdienstleistungen für jeden, auch für die Armen erbringt. Und wir sind überzeugt, dass man nur dann langfristige und nachhaltige finanzielle Ergebnisse erzielen wird, wenn man dabei das Interesse der Kunden im Mittelpunkt behält.
2010 haben wir über unsere Mikrofinanzierungsfonds über 85 neue und etablierte Mikrofinanzinstitute in 43 Ländern finanziert. Wir halten Anteile am Eigenkapital von 19 führenden und innovativen Mikrofinanzinstituten. Die Mikrofinanzinstitute in unserem Portfolio erreichen 7,4 Mio. Kreditkunden – darunter sind 67 % Frauen und 54 % leben in ländlichen Gebieten. Dazu kommen 5,2 Mio. Einlagekunden.
Engagement

Neben dem Einfluss, den wir über unsere Finanzierungen direkt ausüben, haben wir 2010 einige neue Marketinginstrumente entwickelt, mit deren Hilfe wir die Zahl unserer Kunden steigern und verbesserte Leistungen anbieten können. So haben wir einheitliche Websites sowie ein grundsätzlich einheitliches Erscheinungsbild für die gesamte Unternehmensgruppe eingeführt. Dies hat eine komplett neue Form der Unternehmenskommunikation mit sich gebracht – angefangen von unserer Kundenzeitschrift bis hin zum Online-Banking. Im Hintergrund wurden diese Maßnahmen durch Verbesserungen an unseren IT-Systemen begleitet. Damit ist sichergestellt, dass wir uns bei unserem weiteren Wachstum auf eine solide technische Infrastruktur stützen können.
Verstärkt haben wir die öffentliche Debatte über Nachhaltigkeit beeinflusst und uns mit Beiträgen an zahlreichen internationalen, regionalen und lokalen Veranstaltungen beteiligt – vom Club of Rome bis zu Veranstaltungen, die speziell auf Biobauern zugeschnitten waren. Gleichfalls haben wir in allen Ländern und auf allen Gebieten, in denen wir tätig sind, unsere Präsenz in Online- und Printmedien verstärkt. Damit konnten wir uns ein wichtiges Podium schaffen, um unsere Philosophie zu vermitteln und uns in Debatten zum Thema Nachhaltigkeit einzubringen.
In Spanien konnten wir neue Filialen eröffnen, unsere neue Niederlassung in Deutschland ist rasch gewachsen; in den Niederlanden sind wir bereits in größere Räume umgezogen, ein ähnlicher Umzug in größere Räumlichkeiten steht auch in Großbritannien bevor. Dies alles gehört zu unseren Bemühungen, europaweit die wachsende Nachfrage nach unseren Produkten weiter zu fördern und professionell zu bedienen.


